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 >  Geschichte > 2. Weltkrieg > Wunderwaffen und Raketentechnik (Moderator: Volwo) > Thema:

 Die V3 (Vergeltungswaffe 3) - Das Mehrkammergeschütz "Hochdruckpumpe"

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Avatar  Die V3 (Vergeltungswaffe 3) - Das Mehrkammergeschütz "Hochdruckpumpe"  (Gelesen 8143 mal) 0
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(versteckt)Themen Schreiber
#0
18. Mai 2008, um 22:29:46 Uhr

Die V3 (Vergeltungswaffe 3) - Das Mehrkammergeschütz "Hochdruckpumpe", "Tausendfüßler" oder "Fleißiges Lieschen"


von W. Kampa

Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es Versuche mit Mehrkammergeschützen.
Bei dieser waffe wurden seitlich in zeitlichen Abständen Treibladungen gezündet , um die Geschwindigkeit des Geschosses zu erhöhen.

Der Erfinder und Konstrukteur August Coenders entwickelte ab 1937 bei der Firma Röchling in Wetzlar zunächst die 2 cm-"Rö-Granate".
Deren Geschosse trugen pfeilartige Lametten aus Federstahl, so genannte "Wickelflossen". So bezeichnet, weil sie am hinteren Ende in eine Hülse eingerollt waren.
Der Vorteil dieser Geschosse war, dass sie fast keine Streuung hatten.

Später wurden 3,7 - 5 - 15 und 21 cm Geschosse produziert. Diese Geschosse wurden 1940/42 gegen Befestigungsanlagen in Breslau mit Erfolg getestet.
1942 hatte Coenders die Idee zur 12 m Langrohrkanone mit 20 Rohrstücken.

1943 wurde von der Organisation Todt unter dem Tarnnamen "Hochdruckpumpe" (HDP) mit dem Bau einer Ferngeschützanlage im nordfranzösischen Mimoyecques begonnen.
"Nun lief eine Sonderfertigung an mit Rohren und Kreuzstücken für die HDP. Im Werk hieß es, man fertige Stahl für Pumpenkörper....bei den Röchling´schen Stahlwerken..."

Auf der Versuchsanlage in Misdroy an der Ostsee erreichte man 140 km Schussentfernung.

Im Frühjahr 1944 lief die Geschütz- und Granatenproduktion bei Röchling in Wetzlar auf Hochtouren, denn die Mammutanlage "Tausendfüßler" in Mimoyeques im Pas de Calais in Nordfrankreich sollte möglichst schnell in der lage sein, den Beschuß auf London zu beginnen.

Die Anlage bestand aus drei Ebenen.
Jede Ebene hatte eine 5 m dicke Betonschicht als Schutz vor großen Bomben und war 30 Meter unter der Erde mit einem direkten Eisenbahnanschluss nach Boulogne und Calais verbunden.

Im Februar 1944 erhielt August Coenders als einer der ersten acht Preisträger den von Hitler gestifteten "Fritz-Todt-Preis" in Gold und 50.000 RM für seine Erfindung.

Die "HDP" in Mimoyecques wurde mit 15 cm Pfeilgranaten bestückt, war 127 Meter lang und in 50 Grad Schräglage genau auf London ausgerichtet. Die an den Seiten angebrachten Treibladungskammern zündeten zeitversetzt und konnten die Granaten auf eine Geschwindigkeit von 1500 m/s beschleunigen.

Am 6. Juli 1944 wurde die V3-Basis von britischen Tallboy-Bomben angegriffen.

Eine von drei Abschussanlagen wurde dabei von den Alliierten zerstört.
Schuttmassen stürzten bis auf die 100m-Sohle und große Teile der Anlage "soffen" ab.

Am 11. Juli 1944 meldete Oberstleutnant Honig, der militärische Leiter der Großbaustelle: "Eine Weiterführung der Bauarbeiten..wird....für zwecklos gehalten."

Die Anlage kam also nie zum Einsatz.

Als die Alliierten im September die Küste eroberten, wurde die Anlage aufgegeben.

Am 9.und 14. Mai 1945 sprengten die Briten untertage die Hauptstollen.
Fünf Tage später wurden die Haupteingänge mit 25 Tonnen TNT gesprengt

Die Engländer wollten so verhindern, dass diese Waffe, die ja genau auf London ausgerichtet war, jemals, von welcher Armee auch immer, wieder eingesetzt werden konnte.

Damit ist die Geschichte der "Hochdruckpumpe" im Prinzip abgeschlossen.

Erwähnenswert ist noch, dass zwei verkürzte Versionen von 58 Metern Länge ( LRK 15 F 58 = 58-Meter-Langrohrkanone) ab dem 12. Dezember 1944 von der Heeres-Art.-Abt. (mot) 705 unter dem Kommando von Hans Kammler in seiner "SS-Division z. V." bei Hermeskeil mit dem Ziel Luxemburg eingesetzt werden sollten. Am 30.12.1944 fiel der erste scharfe Schuss: 844m/s auf eine Entfernung vo 42,5 km ohne Fluggeräusch.
Bis zum 22. Februar verschossen Kammlers Leute 183 Röchling-Granaten vom Kaliber 15 cm gegen Luxemburg.
Am 25.2.45 wurde gemeldet: " HDP muß Demontage des letzten Gerätes beschleunigen und Rückführung...etappenweise durchführen, da die feindlichen Panzerspitzen bis auf 3 km an die Feuerstellung vorgedrungen sind".


Quellen: 1. K. Porezag: Geheime Kommandosache, Wetzlar 1997
2. V3-Base of Mimoyecques- Guide Book, Landrethun-Le-Nord 2006
3. Archiv Kampa

« Letzte Änderung: 18. Mai 2008, um 22:47:17 Uhr von (versteckt) »

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#1
18. Mai 2008, um 22:32:35 Uhr

Eingang (rechts, verdeckt) und Gaststätte (links) der privat geführten Anlage.


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KAMPA-F4-06-(764)a.jpg
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#2
18. Mai 2008, um 22:36:52 Uhr

Krater vom Einschlag der Tallboy-Bomben:


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(versteckt)Themen Schreiber
#3
18. Mai 2008, um 22:38:43 Uhr

Eingang:


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#4
18. Mai 2008, um 22:40:36 Uhr

Im Inneren:


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(versteckt)Themen Schreiber
#5
18. Mai 2008, um 22:43:25 Uhr

Die V3, bzw. deren Reste:


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#6
19. Mai 2008, um 07:39:34 Uhr

Danke für die schönen Bilder, Wolfgang!  Super


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(versteckt)Themen Schreiber
#7
31. Mai 2008, um 18:20:08 Uhr

N´abend,

anbei einige zeitgenössiche Bilder aus dem dortigen Museum:


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Mimoy-Dok-900pi-14.jpg
Mimoy-Dok-900pi-16.jpg
Mimoy-Dok-900pi-17.jpg
Mimoy-Dok-900pi-18.jpg
Mimoy-Dok-900pi-36-Tallboy-.jpg
Mimoy-Dok-900pi-7.jpg
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#8
28. Januar 2009, um 00:12:42 Uhr

Mir fehlen die Worte....wie weit die damal schon waren...manoman was der Deutsche da so zusammengebastelt hat. Schockiert

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(versteckt)Themen Schreiber
#9
14. Februar 2009, um 01:26:14 Uhr

Der Link zu meinem Video
V3 Abschussanlage in Mimoyecques

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