Führt dieser Schatzplan zum Bernsteinzimmer?
Privatdetektiv Dietmar Reimann: Es liegt vergraben im Poppenwald
Von Nico Wingert
Für den Leipziger Privatdetektiv Dietmar Reimann (62) ist das Rätsel um das verschollene achte Weltwunder längst gelöst: "Die Russen haben ein Drittel des Bernsteinzimmers 1945 abtransportiert. Die anderen zwei Drittel liegen in Hartenstein, im erzgebirgischen Poppenwald." Genauer in der "Prinzenhöhle" – ein Versteck des Geheimbundes der Illuminati. Natürlich habe er dafür Beweise …
Der charismatische Privatdetektiv glaubt, das Bernsteinzimmer gefunden zu haben. Deshalb kann er Recherchen anderer Bernsteinzimmer-Jäger nicht mehr ernst nehmen. So könne er über die Bemühungen des Bürgermeisters Haustein aus Deutschneudorf nur lachen: "Der hat doch alles von mir geklaut." Schließlich könne man alles in seinen drei erschienenen Büchern nachlesen. "Der Haustein hat einfach nichts in der Hand".
"Das Problem mit der Bern-steinzimmer-Suche ist, dass sich 10 000 Menschen damit befassen, die aber einfach nichts wissen", doziert Reimann weiter, dabei habe er doch die Lösung längst präsentiert. Der Adel habe mit dem Geheimdienst um Admiral Canaris einen Hitler-Putsch geplant, um anschließend ein neues Kaiserreich auszurufen. Im April 1945 soll es im Poppenwald im Erzgebirge versteckt worden sein. Auch deshalb könne er die Döbelner Fahnder Liebegall und John gar nicht ernst nehmen, denn die würden "nur auf den Spuren von Stasi-Enke wandeln", ohne was vorweisen zu können.
Auf die Zwischenfrage, dass bislang noch niemand das Bern-steinzimmer präsentieren konnte, reagiert Reimann aufbrausend und ungehalten. "Die Aufgabe von euch Journalisten ist zuzuhören, endlich zu begreifen und nicht laufend mit Fragen dazwischen zu plappern", belehrt Reimann lautstark. Kein Zweifel: Der ehemalige Major der Nationalen Volksarmee (NVA) weiß, wie man Befehle erteilt. Andernfalls könne er jederzeit das Interview abbrechen.
In Königsberg, erklärt Reimann, befand sich nicht nur das geraubte Bernsteinzimmer. Sondern auch noch die Krönungsinsignien des letzten abgedankten deutschen Kaisers, Wilhelm II. (Zepter, Reichsapfel, Reichssiegel – reich mit Brillanten, Rubinen und Gold verziert). Diese kaiserlichen Symbole der Macht musste das preußische Königshaus, festgeschrieben in einem Vertrag vom 12.10.1925, an den Preußischen Staat abtreten (in der Nazizeit kamen die Insignien in den Verantwortungsbereich von Hermann Göring).
Ganz in der Nähe der Krönungsstadt Königsberg (in Cadinen) wohnte zudem der Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Und auch die Frau des Zarenerben Kirill von Russland (gestorben 1938), Victoria von Sachsen-Coburg-Gotha. Letztere soll die reguläre Erbin des Bernsteinzimmers sein. Alles kein Zufall, denn in Königsberg sind - laut Reimann - adlige Pläne für das Wiederauferstehen des Deutschen Kaiserreiches geschmiedet wurden.
Nach Reimanns Recherchen warteten der Prinz und Generalfeldmarschall von Küchler in Königsberg die Resultate des Hitler-attentates vom 20. Juli 1944 ab. Der geheime Plan: Nach dem Hitlerattentat sollte die erneute Krönung und die Ausrufung eines neuen deutschen Kaiserreiches erfolgen. Selbst der Abwehrchef, Admiral Wilhelm Canaris, soll in diesen Plan mit verwickelt gewesen sein.
Canaris und sein General Oster verhandelten schon seit 1943 über Unterhändler in Spanien und der Schweiz mit den Alliierten über die Beendigung des Krieges. Dabei soll das Bernsteinzimmer angeblich als "Faustpfand" eine Rolle gespielt haben. Canaris’’ Elitetruppe, das berüchtigte Regiment "Kurfürst" der speziellen Division "Brandenburg", soll auch den Transport des Bern-steinzimmers von Königsberg nach Thüringen organisiert haben. Diese Eliteeinheit – vorgesehen für geheime Operationen tief im gegnerischen Hinterland – trainierte im Erzgebirge. Alle Soldaten sprachen zusätzlich slawische Sprachen und operierten oft in russischen Uniformen. Im Poppenwald sicherten sie zudem die "Prinzen-Höhle" für die Einlagerung vieler Kunstschätze.
Doch die adligen Träume gingen nicht auf, das Stauffenberg-Attentat auf Hitler missglückte. Hitler soll über die Aristokraten sehr wütend gewesen sein und ließ viele verhaften. Darunter auch Admiral Canaris, der am 9. April im KZ Flössenburg hingerichtet wurde. Dennoch, so Reimann, sollte die Krönung des neuen deutschen Kaisers stattfinden. "Es ging nie primär um das Bernsteinzimmer", so Reimers, "denn der Transport des sagenumwobenen Zimmers diente nur als Tarnung, um die Krönungsinsignien unbemerkt von der Naziführung aus Königsberg fort zu schaffen."
Der Tag der Tage ist für Reimann der 8. April 1945: Fliegeroffizier Albert Popp bringt mit einem Lkw-Transport das tags zuvor in Reinhardsbrunn bei Gotha abgeholte Bernsteinzimmer nach Hartenstein. Zeitgleich trifft auch einer der drei Güterwaggons (Transportleiter SS-Unterscharführer Wolfgang Köhler) in Hartenstein ein. Brisanter Inhalt des Güterzuges: Der "Preußen-Schatz" aus dem holländischen Doorn – dem Exilort des letzten deutschen Kaisers. Als Beweis dient Reimann eine Luftbildaufnahme der US-Army, auf der ein Waggon zu sehen sei. Allerdings sagt das nichts über den Inhalt der Ladung aus, aber das ignoriert der Privatdetektiv.
Noch wichtiger erscheint dem Detektiv allerdings der mysteriöse Schatzplan zu sein – getarnt als Schiffsplan. Diese geheime Karte hatte Transportleiter Wolfgang Köhler nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft 1946 angefertigt. "Aber noch nicht alle verborgenen Informationen dieser Schatzkarte habe ich lösen können", sagt Reimann.
Die Schätze des Güterwaggons und des Bernsteinzimmers sollen dann in die Prinzenhöhle eingelagert worden sein, der Eingang verschlossen und getarnt. Doch ein Drittel des Bernsteinzimmers hätte nicht in die Höhle gepasst, weil die Kisten mit vier Metern zu groß gewesen sein sollen. Als Beweis nennt Reimann die von ihm gefundenen Überreste der Holzkisten im Poppenwald. Diesen Teil des Bernsteinzimmers sollen dann die Russen abtransportiert haben. Reimanns Gutachten: Auf einem russischen Foto will er bestimmte Holzrahmen des Bernsteinzimmers wiedererkannt haben, also müssen die Russen zumindest teilweise im Besitz des Bernsteinzimmers sein, so seine knallharte Logik.
Nur fehle ihm halt das Geld, um die Prinzenhöhle im Poppenwald aufzuspüren und zu öffnen. Der Adel hätte kein Interesse an einer solchen Finanzierung, schließlich hätte der deutsche Prinz einen Prozess gegen das Maklerhaus Jauch & Kübler gewonnen und 1954 eine Entschädigung für den in drei Güterwaggons verpackten Preußen-Schatz erhalten. Makler Jauch wäre zudem der Bruder des Großvaters von Moderator Günther Jauch. Erstaunlich, wie es Reimann gelingt, scheinbar alles und jeden miteinander locker in Verbindung zu bringen …
Aber dann könne doch der Staat den Schatz heben ...? "Nein", sagt Reimann. Es gebe kein Interesse, da Bundespräsident Horst Köhler ein Freimaurer sei. Und die Prinzenhöhle ja ein altes Versteck der Freimaurer und Illuminati …
Morgen lesen Sie:
Wehrwolf, Nazi-Organisation in Südamerika, geheime Wächter und Stasi-Connection. Die größten Verschwörungstheorien rund um das Bernsteinzimmer
Berliner Kurier, 07.01.2010
Ha Ha Ha ein altes Märchen neu erweckt
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