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« Thema begonnen am: 12. Januar 2018, 12:28:12 »
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Die Schlacht von Leuthen
 
 
 
Am 5. Dezember 1757 wurde der kleine Ort Leuthen in Niederschlesien für kurze Zeit zum Schauplatz der Weltgeschichte.
 
Friedrich der Große besiegte zu Beginn des 7jährigen Krieges die österreichische Armee mit einer neuen Strategie.
 
Der ursprünglich slawische Ort »Luta« wurde nach der deutschen Besiedelung im Jahr 1336 zu »Leuthen«. Heute liegt das Dorf in Polen und heißt »Lutynia«.
 
 
 
Im Jahre 1740 bestieg die Erzherzogin Maria Theresia den österreichisch-ungarischen Thron und wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einer der mächtigsten Herrscherin ihrer Zeit.
 
Doch am Anfang ihrer Regierung war es eher fraglich, ob sie sich lange auf dem Thron halten würde. Gleich im ersten Jahr marschierte der preußische König Friedrich II. in Schlesien ein.
 
Die Königin wollte den Verlust der »schönsten Perle ihrer Krone« nicht hinnehmen und es kam zu drei schlesischen Kriegen.
 
Bis zum Jahr 1757 konnte Friedrich der Große das Land in seinem Besitz halten, doch im Herbst eroberten die österreichischen Truppen Breslau und Schweidnitz.
 
Am 3. Dezember erklärte Friedrich in seinem Hauptquartier in Liegnitz, er werde gegen alle Regeln der Kunst die dreimal stärkere Armee der Österreicher angreifen, und brach mit seinem Heer am nächsten Tag in nach Südosten auf.
 
Gleichzeitig marschierten die Österreicher von Breslau aus in Richtung Nordwesten.
 
Am Morgen des 5. Dezember 1757 trafen sich die Spitzen der Armeen und es kam zu ersten Gefechten.
 
Der »alte Fritz« wusste, dass die bevorstehende Schlacht entscheidend sein würde und beschloss, aufs Ganze zu gehen.
 
Er befahl einem seiner Husarenoffiziere: »Ich werde mich heute bei der Bataille mehr aussetzen als sonst. Er soll sich 50 Mann nehmen, um mir als Deckung zu dienen.«
 
Für den Fall, dass er im Kampf getötet werden sollte, gab der König die Anweisung, seinen Körper mit einem Mantel zu bedecken und unauffällig fort zu schaffen.
 
Die Schlacht sollte dann weiter gehen, ohne dass der Feind seinen Tod bemerken sollte.
 
Daraufhin ritt er auf den Schönberg südlich vom Dorfe Heidau, um von dort die Truppenbewegungen zu beobachten.
 
Auf der Skizze erkennt man, dass die mehrere Kilometer lange Linie der österreichischen Armee von Nippern im Norden über Frobelwitz und Leuthen bis nach Sagschütz im Süden reichte.
 
Friedrich erfasste die strategische Lage sofort und erkannte, dass der Kiefernberg bei Sagschütz die beste Stelle für einen Angriff war.
 
Er ließ einen Scheinangriff auf die Nordflanke durchführen, so dass die österreichischen Reiter nach Norden abgezogen wurden, um sofort danach mit dem Großteil der preußischen Armee nach Süden zu schwenken.
 
Die Preußen stellten sich im Sichtschutz des Kiefernbergs in Schlachtordnung auf und am Mittag begann der Angriff in der so genannten »schiefen Schlachtordnung«: In mehreren Staffeln griffen die Preußen von Südwesten aus an (auf der Linie Sagschütz, Groß- und Klein-Gohlau) – die nach Norden geschickten Reitereinheiten schafften es nicht rechtzeitig, zurück zu kommen.
 
Im Bereich der katholischen Kirche von Leuthen waren die Kämpfe am schwersten.
 
Die Österreicher fanden Deckun ghinter der 2,50 Meter hohen Friedhofsmauer, die mit ihren vier Bastionstürmen wie geschaffen zu Verteidigung war.
 
Doch es gelang den Preußen, von zwei Seiten in den Friedhof vorzudringen und die Österreicher mussten sich schließlich über Saara und den Fluss Weistritz in Richtung Breslau zurückziehen.
 
Am Ende der Schlacht waren aufbeiden Seiten mehr als 5.000 Tote, 11.000 Verwundete und 13.000 Gefangene zu beklagen.
 
In der Folgezeit gingen die Auseinandersetzungen weiter.
 
Als 1763 der siebenjährige Krieg beendet wurde, hatte sich Friedrich mit seiner Taktik des Präventivkrieges durchgesetzt.
 
Schlesien blieb preußisch und Preußen hatte sich als Staat in der Riege der europäischen Großmächte eingereiht.
 
Leuthen war nach der Schlacht schwer beschädigt, doch 30 Jahre später war das Dorf wieder aufgebaut.
 
Bis in das 20. Jahrhundert wurde der alte Fritz in der Region Leuthen mit einem Gedicht in schlesischer Mundart verehrt:
 
»Bei Leuthen woar´s, doa gingich neulich ei der Nacht,
 
dan aalen Poppelweg bis zu´ner Stelle, do hoa ich plutze halt gemacht.
 
Kee Lüftel ging und doa ichgucke, vum Felde fegt a Zwerbel Dreck,
 
ich denk´ich bin meschugge,do packt mich halt a mächt´ger Schreck:
 
Is stieht a Schimmel uff derStroaße und uba druffe sitzt a Moan,
 
dar steckt Schnupftoback eidie Noase …«
 
 
 
Vor mehr als hundert Jahren wurde nördlich von Leuthen durch den Kronprinzen das von Kaiser Wilhelm gestiftete Altar-Denkmal eingeweiht.
 
Doch einige Jahre später sollte die 600jährige Geschichte des Dorfes Leuthen ein schreckliches Ende finden:
 
Im Januar 1945 rückte die Rote Armee bis an die Oder vor.
 
Einige Familien flüchteten, mussten aber im tiefen Schneetreiben umkehren.
 
Am 15. Februar wurde das Dorf angegriffen, zwei Dorfbewohner wurden erschossen und viele verschleppt.
 
Anfang Juni 1946 wurde die Bevölkerung von polnischen Siedlern vertrieben und vom Bahnhof Nippern nach Westdeutschland deportiert. Die meisten der mehr als 1100 Leuthener Einwohner fanden im Raum Wolfenbüttel und Einbeck (Niedersachsen) eine neue Heimat.
 
 
 
Text und Archiv: Volwo
 
 
 
Bild 1:Ansicht von Leuthen vor dem zweiten Weltkrieg. Unten links: Bei der Schlacht geschlagene Bresche in der Friedhofsmauer. Rechts: Altardenkmal. In der Mitte das alte Siegel von Leuthen.
 


Bild 2: Oben: Das Museumsgebäude und der Innenbereich mit einer Nachbildungder Schlacht. Unten: Panorama von Leuthen



Bild 3:Karte von der Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757. Friedrich der Große besiegte mit der »schiefen Schlachtordnung« die zahlenmäßig weit überlegene Armee von Erzherzogin Maria Theresia. (Die Bilder sind dem Buch »Schlesische Heimat-Stadt und Kreis Neumarkt« entnommen).

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« Letzte Änderung: 12. Januar 2018, 12:35:05 von (versteckt) » Gespeichert
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« Antworten #1: 12. Januar 2018, 12:54:47 »
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Sehr schöner und informativer Bericht.

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« Antworten #2: 12. Januar 2018, 16:00:11 »
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Aus Nippern kommt mein Urgroßvater. Ich war schon einmal vor Ort und habe mir das Dorf angesehen, leider etwas trostlos. Eigentlich hatte ich gehoft die Kirchenbücher einsehen zu können, da die Generationen vor dem Urgroßvater nicht bekannt sind. Die Bücher sollen den Krieg zwar überstanden haben und in einem Schuppen gelagert haben, aber leider konnte oder wollte der Pfarrar nicht sagen wo sie jetzt sind  Traurig

Vielleicht noch als Zusatzinfo zur Schlacht:

Friedrich der Große soll bei einem Erkundungsritt durch Nippern bemerkt haben, dass sich östereichische Husaren näherten. Es bestand die Gefahr das er gefangen genommen würde. Er versteckte sich kurzerhand unter einer Brücke und die Husaren bemerkten ihn nicht. Die Szenerie war auch ein belibtes Motiv in der späteren Malerei und auf Zigarettenbild Sammelmarken  Grinsend

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« Antworten #3: 12. Januar 2018, 17:44:35 »
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Die schiefe Schlachtordnung.
Austerlitz 1805 ist auch ein klassisches Beispiel dafür.

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« Antworten #4: 13. Januar 2018, 15:45:12 »
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Ein sehr schöner Bericht  Super ... vielen Dank für den Beitrag  Smiley

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